Es gibt tatsächlich Dinge die würde man als Züchter lieber vergessen, man möchte nicht darüber reden und schon gar nicht möchte man, dass andere davon erfahren.
Naja...was soll ich sagen...passt so mal gar nicht zu meiner Mentatlität immer ehrlich und transparent zu sein.
Also los gehts...
2025 dachte ich nach der Augenentzündung eines Kittens "Okay, danke 2025 nett deine Bekanntschaft gemacht zu haben, aber unsere Wege sollten sich trennen. Du hast mir gezeigt, es gibt immer etwas was man nicht einplanen kann" Und was dachte 2025 "Wenn du dachtest das geht nicht schlimmer...warte ab"
Jeder der mich länger kennt, weis genau, dass die Vorsorgeuntersuchungen sich nicht nur auf Schall, Impfungen und Abstriche beziehen, sondern auch in regelmäßigen Abständen von allen Kotuntersuchungen durchgeführt werden. Ich würde lügen, wenn ich nun sage "War immer alles in Ordnung" Nein war es nicht, auch meine Katzen hatten schon mal einen Wurmbefall, was nicht ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass ich sowohl rohes Fleisch auch mal füttere und meine Lieblinge auch in den Garten dürfen im Sommer. Also werden alle immer regelmäßig entwurmt und auch untersucht (bitte spart euch die Aussagen "Es gibt keine prophylaktische Entwurmung" Habe ich auch nie gesagt oder behauptet...meine Katzen werden systematisch entwurmt! Kleiner aber feiner unterschied.
Der Wurf von Trés Jolie wuchs vorbildlich auf, eigentlich hätte ich mir denken können "Irgendwas muss doch noch kommen". Keine Probleme bei der Futterumstellung, keine Probleme bei den Impfungen, keine Probleme bei den Entwurmungen...alles supidupi. Entspannt ging es also zur letzten Kontrolluntersuchung...und ein allerletzer Test, damit sie gesund, munter und voller Engergie in ihr neues Königreich einziehen können. Die Kotuntersuchung!
Ein Test den ich eigentlich immer sehr entspannt entgegen sehe, da macht mir die zweite Impfung immer ein wenig mehr sorgen, denn gerade bei dieser, schwächeln manche für 1 bis 2 Tage.
Dieses mal sollte es anders kommen:
Mein Telefon klingelte morgens kurz nach 8 Uhr, ich war auf Arbeit und sah das Frau Kräker mich anrief. Mir war klar, dass etwas nicht stimmen konnte, denn nach all den Jahren, weis auch meine Tierärztin wann sie mich erreicht und wann eigentlich nicht. Ich ging ran, danke hier an meinen Chef der es bewilligte, und begrüßte Frau Kräker mit einen freundlichen guten Morgen. Mir war klar das sie nun sagen würde "Wir haben etwas gefunden", im Kopf überlegte ich ob Spuhlwurm eventuell eine Möglichkeit sein könnte, oder etwa Bandwurm? Was sie aber sagte, damit hätte ich in meinen Träumen nicht gerechnet und vermutlich hätte ich sofort angefangen zu heulen, wenn ich nicht auf Arbeit gesessen hätte. "Die Kotuntersuchung auf Würmer war bei den Babys in Ordnung..doch sie sind Giardien positiv" Zugegeben ein Schlag ins Gesicht fühlt sich genauso an. Mir wurde schlecht, denn als Züchter weis man genau was das bedeutet... "Aber nicht ein Baby hat oder hatte Durchfall...und auch der restliche Bestand...nicht einer, ganz im Gegenteil. Ich finde ihn manchmal sogar zu hart." ich glaube ein bissl stammelte ich, denn es zog mir wirklich den Boden unter den Füßen weg.
Nach der Arbeit fuhr ich sofort in die Praxis um meine "Erstausstattung" abzuholen. Panacur, Anti Giardien Spray Alfavet. Ich bekam eine Hygieneempfehlung, mir wurde der Therapieplan erklärt, man fand aufmunternde Worte und erklärte, dass es wirklich gut war, dass sie symptomlos sind. Für mich lief irgendwie alles wie im Film ab. Ich fuhr nach hause, die Racker begrüßten mich, zugleich sah ich auf meine "Einkaufstüte" und dachte "Wenn ihr wüsstet." Alle nahmen ihre Tabletten brav, ich versorgte alles wie eh und je, holte mir dann eine Flasche Rotwein, ein Glas und trank erst einmal einen.
Ich hatte alle Besitzer der Babys informiert, alles erklärt und natürlich auch eingeräumt, dass sie vom Kauf zurücktreten konnten, wenn sie mochten, allerdings und dafür ein Dankeschön, bewährte sich wieder "Ehrlich währt am längsten." Auch wenn es viele Fragen gab, hielten sie zu mir. Es wäre kein Problem gewesen, die Babys ausziehen zu lassen, kein Wort zum Kottest zu sagen und einfach gucken, was eben passiert. Doch das bin eben nicht ich und werde ich nie sein.
Als erstes steckte ich die Bande in Quarantäne. Sie mussten leider in einen Raum bleiben und zugleich wurde mir etwas bewusst. Lilly, Selena und Hugo hatten Kontakt zu ihnen gehabt,wenn auch nicht immer. Ich atmete tief ein, setzte mich wieder und wollte eigentlich nur noch aus diesem Alptraum aufwachen. Und was tat ich natürlich noch? Klar...Google benutzen...böser Fehler!!!! Danach überlegte ich, ob alles niederbrennen nicht einfacher wäre.
Am nächsten Morgen trank ich meinen Kaffee und mein Kopf sagte nur "Das schaffst du nie" In den Jahren erlebt man sehr viel, muss sich mit vielen auseinandersetzen und ich dachte an meine Anfangszeit zurück, die nicht gerade nahtlos verlief.
Natürlich stellt ich mir unentwegt die Frage: Woher kommt das plötzlich. Wochen vorher war im Kottest doch alles gut...wieso jetzt plötzlich dieses Ergebnis?
In dem Moment passierte das, was immer geschieht...obwohl ich am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte, gibt es da ein kleines Männchen auf meiner Schulter das flüstert: "Oh nein das wirst du nicht tun" Es legte sich ein Schalter in mir um und meine Gedanken wurden klaren. "Du hast so viel schon durch, da werden dich diese Viehcher sicherlich nicht kleinkriegen" Ich begriff, das es überhaupt nicht entscheidend mehr war, woher ich diesen positiven Befund nun hatte, sondern es war allein entscheidend, was ich nun damit tat und wie ich damit umgehen werde!
Challange accept!
Bevor ich zur Arbeit fuhr begann ich alles erst einmal zu besprühen mit dem Desinfektionsmittel...3 Flaschen hatte ich...3 Falschen waren alle. Ich setzte mich hin und schrieb eine Einkaufsliste...ich erstellte einen detaillierten Hygieneplan für die nächsten Wochen. ChatGPT sollte mein bester Freund werden... Schritt für Schritt plante ich alles genaustens durch und war sehr zufrieden mit mir selbst, als es dann zur Arbeit ging.
Als ich nach Hause kam an den Tag, sah ich mich um und fing an ALLES was ich entbehren konnte und wollte von den Katzen nach draußen zu räumen. Mein Mann sah mich etwas ungläubig an und ich sagte nur "Es wird verbrannt" Und ja so geschah es auch. Jedes Spielzeug, jedes Bettchen, jede Decke, die Wurfkiste, alle kleinen Kratzmöbel bekamen eine Feuerbestattung. Ich stand da und ich glaube ein kleines Lächeln war mir trotz allen zu entnehmen, denn ich dachte wieder "Und ich werde gewinnen"
Mit Absprache der Tierarztpraxis wurde von mir auch der restliche Bestand getestet...tja und was soll ich sagen: Lilly, Hugo, Selena positiv. Kolja, Thoran negativ (was auch nicht ganz verwunderlich war, denn sie laufen nicht in der Gruppe mit). Dennoch fragte ich, ob wir sie mitbehandeln könnten. Frau Kräker stimmte zu.
Wer jetzt sagt: Aber man behandelt keine symptomlosen Tiere oder negative Tiere. Ja, wir wissen das es diskutiert wird, ob symptomlose Tiere überhaupt behandelt werden müssen. Hier muss ich persönlich aber sagen: es macht einen Unterschied, ob wir von einem Haushalt reden, der zwei, drei Tiere hat, oder von einem Züchter. Ich bin in der Pflicht, zumindest sehe ich das so, den neuen Besitzern Tiere zu vermitteln, die keine Bewohner beherbergen, auch zum Schutz der vorhandenen Katzen bei ihnen. Nur weil meine symptomlos waren, würde das nicht bedeuten, dass die vorhandenen Tiere dort eine Infektion so leicht wegstecken. Diese Gefahr darf ein Züchter einfach wissenlich nicht eingehen.
Voldemort vertrug die Therapie nicht. Nach den ersten paar Tagen ging es ihm schlecht...richtig schlecht. Frau Kräker stellte die Therapie für ihn um, er bekam etwas für seinen extrem harten Bauch und für den plötzlichen Durchfall (es hatte schon eine merkwürdige Komik, dass er mit Giardien keinen Durchfall hatte und plötzlich in der Therapie anfing).
Mein Voldemort...der eh schon der kleinste war, ich mich so bemüht hatte, damit er immer reichlich an Milch bekam, der mir immer so dankbar zu sein schien, schwächtelte dermaßen das ich am liebsten gesagt hätte "Wir lassen alles bei ihm sein" Doch Frau Kräker hatte wieder richtig gehandelt, wie so oft, und Voldy ging es schnell wieder besser. Was würde ich ohne diese Praxis eigentlich machen...wahrscheinlich hätte ich schon alles hingeworfen.
Als ich nach der gefühlten 10 Flasche fragte, schaute mich Antje, die tiermedizinische Fachangestellte an und fragte mich "Sag mal...badest du die Katzen darin?" Ich musste tatsächlich lachen und erwiderte, dass ich 2x tgl. eben alles absprühe. Lachend erklärte sie mir das ich da ein wenig zuviel mache. Unter uns Antje...solltest du das lesen...ich habe es weiter so gemacht ;)
Der Nachteil ist allerdings, dass es sehr kostenintensiv ist und somit sah ich mich nach alternativen um. Durch meine Recherchen wurde ich sowohl auf Halamid, als auch auf Vipibax Wischkonzentrat und Vipibax Hygienespray aufmerksam. Ich bestellte gleich alles!!!
Halamit hat einen sehr extremen Nachteil: Wenn es auch mitunter einer der wenigen Desinfektionsmittel ist, was überhaupt eine Wirksamkeit hat gegenüber den Zysten, es riecht dermaßen nach Chlor, dass selbst ich wieder ans abfakeln dachte.
Vipibax war und ist dagegen sehr angenehm (zumindest empfand ich es so) und somit wurde es das Mittel der Wahl. Da ich ja immer sehr genau alles wissen möchte, nahm ich Kontakt zum Kundenservice auf und ich muss sagen: Selten habe ich erlebt, dass man sich so schnell telefonisch zurück meldete und auch die Beratung, Information und Tipps waren fachlich sehr gut. Informationen zu Vipibax werden ich ich einen separaten Beitrag zu Giardien verlinken. Den Link zum Beitrag werde ich auch hier veröffentlichen, sobald ich diesen fertig habe.
Die nächsten Wochen wurden regelrecht die Hölle. 2x die Woche in den Waschsalson, mein Wecker klingelte noch früher als sonst, damit ich alles besprühen und wischen konnte. Ich kaufte einen Dampfreinigervon Kärcher, der am Anfang zum Einsatz kam. Warum nur am Anfang erkläre ich im Giardien-Beitrag noch einmal extra.
Mein Müll an Katzenstreu nahm ein gigantisches Ausmaß, denn 2x tgl. wechselte ich diese komplett, mal davon ab, dass ich sie mit Müllbeutel bestückte, damit das einfacher war. Ich kochte 2 tgl. die Futternäpfe und Trinkschalen aus, nahm mein geliebtes automatisches Katzenklo vom Strom und ersetzte alle mit Schalentoiletten.
Giardien bestimmten meinen Tagesablauf, Nachts wachte ich auf und überlegte ob ich irgendetwas vergessen haben könnte, überall sah ich kleine, grüne Viren vor meinen Augen die mich angrinsten und sagten "Uns hast du übersehen" Mein Kopf wurde zu meinem größten Feind!
Nach der Therapie hieß es warten...schrecklich...meine Schnelltest brachten mich zusätzlich um den Verstand...mal positiv...mal negativ... ich war zwischen Himmel und Hölle gefangen. Auch da war das Team von Frau Farina Kräker wieder zur Stelle und erklären mir, dass diese Antigen-Test auch positiv anschlagen konnte, nach erfolgreicher Therapie.
Das Team der Tierarztpraxis Kräker ließ mich auch dieses mal nicht im Stich...Nach Gesprächen mit dem Labor, wussten wir: Die PCR musste durchgeführt werden, denn nur dieses allein konnte uns sagen, ob noch Aktivität vorhanden ist. DAS ist ein wichtiger Punkt den ich in dem anderen Blog-Beitrag erwähne! Doof nur...so eine PCR dauert...war im Grunde nun auch egal, außer eben das mir die Besitzer der kleinen Wollknäule leid taten. Doch 4 Tage später die Erlösung: Die PCR war NEGATIV! Dieses Ergebnis gilt als 98% sicher!
Endlich...das Trauma war vorüber, mehr oder weniger! Nach all der Zeit habe ich noch immer dieses ungute Gefühl, zumal ich bis heute nicht sagen kann: Woher kam es nun wirklich? Ich ertappe mich auch jetzt noch bei dem Gedanken alles zu desinfizieren...alles abzukochen...dieses kleine bisschen Unwissenheit woher ich die Biester nun hatte, reicht aus um mich zumindest noch auf extreme Wachsamkeit zu briefen.
Und weil man ja immer von Kosten redet. Die tierärztlichen Kosten (nehmen wir Voldy raus) waren tatsächlich das geringste Übel. Vielmehr ging das ins Gewicht, was die Hygienemaßnahmen betraf:


