Es gibt Entwicklungen in der Zucht, die man kennt, von denen man liest –aber innerlich immer hofft, dass sie einen selbst nie treffen.
Erst Giardien im Wurf. Link zum Beitrag: Hier
Im kurzen Anschluss eine Dermatophytose im Bestand.
Für viele Züchter ist genau das das Worst-Case-Szenario.
Es hat Zeit gebraucht, bis ich Emotional bereit war, das öffentlich zu teilen.
Doch verantwortungsvolle Zucht bedeutet für mich Transparenz – besonders dann, wenn es schwierig wird.
Erst nachdem eine negative Giardien-PCR vorlag, durften die Babys ausziehen.
Während dieser Phase entwickelte ein Jungtier eine kleine Stelle am Ohr.
Im Kontext der intensiven Desinfektion deutete ich sie zunächst als mögliche Reizung.
Nach dem Auszug eines Jungtieres meldeten sich die neuen Besitzer wegen einer Hautveränderung.
Ich bat um umgehende tierärztliche Abklärung. Leider erhielt ich die Information nicht unmittelbar, sodass wertvolle Zeit verstrich und weitere Jungtiere zu diesem Zeitpunkt bereits ausgezogen waren.
Als der Tierarzt den Verdacht auf eine Dermatophytose äußerte und eine Rücknahme gewünscht wurde, war klar: Jetzt zählt jede Stunde.
Noch bevor das Jungtier zurückkehrte, fuhr ich am selben Abend zu meiner Tierärztin, holte die notwendigen Medikamente und bereitete alles für die sofortige Therapie vor.
Mit seiner Rückkehr begann unverzüglich die Behandlung. Dann kam der schwerste Schritt:
Ich informierte alle anderen Besitzer.
Die Jungtiere kamen im Rahmen einer Kaufrückabwicklung wieder zurück, sodass ich sie unter einheitlichen Bedingungen weiter betreuen und behandeln konnte.
Was folgte, entwickelte sich nicht schlagartig, sondern schrittweise.
Weitere Tiere wurden auffällig.
Erst kleine, unscheinbare Stellen – dann deutlichere Veränderungen.
Lilly traf es besonders.
Sie zeigte ausgeprägten Fellverlust und mehrere betroffene Bereiche – ohne stark entzündete oder offene Hautareale, jedoch in einem Ausmaß, das konsequentes Handeln erforderlich machte.
In enger Absprache mit meiner Tierärztin entschied ich mich, sie zu scheren, um die Behandlung effektiver durchführen zu können.
Aufgrund der Schwere bei ihr und auch weil der erste Behandlungszyklus nicht optimal verlief, wird sie nun in einen letzten Therapiezyklus starten, um die Behandlung vollständig und sicher abzuschließen.
Sicherheitshalber haben wir zusätzlich ihre Blutwerte untersuchen lassen.
Diese sind erfreulicherweise bestens – was mich unter diesen Umständen sehr erleichtert und gefreut hat.
Behandelt wurden alle Tiere – nicht nur die sichtbar betroffenen.
Für mich gab es kein Abwarten und kein Hoffen auf „vielleicht reicht es“. Es musste konsequent sein.
Ich teilte meinen Bestand in drei Gruppen ein, um jedes Tier strukturiert begleiten zu können.
Plötzlich war mein Zuhause nicht mehr nur Zuhause – sondern in Bereiche gegliedert, in Abläufe strukturiert, in klare Wege eingeteilt.
Der hygienische Aufwand war erheblich. Und er ist weit mehr als „gründlicher putzen“.
• Regelmäßige vollständige Flächendesinfektion
• Mehrfache Reinigung stark frequentierter Bereiche
• Waschzyklen aller Textilien bei hohen Temperaturen – oft bis spät in den Abend
• Strikte Gruppentrennung
• Getrennte Reinigungsutensilien
• Klar strukturierte Abläufe zur Minimierung von Sporenverschleppung
• Einsatz eines Ozongerätes zur zusätzlichen Raumdesinfektion
Man beginnt, anders zu sehen. Jede kleine Stelle wird doppelt geprüft. Tage werden gezählt. Alles wird dokumentiert.
Und trotzdem bleibt im Hinterkopf die leise Frage, ob es ausreicht.
Nach Abschluss der oralen Therapie der Jungtiere wurden die ersten Pilzkulturen angesetzt, um den Sanierungsstand mikrobiologisch zu überprüfen.
Und dann ist da noch der Teil, über den kaum jemand spricht.
Wer Pilz und Giardien erlebt hat, kennt den psychischen Druck.
Die Fragen hören nicht auf:
Woher?
Warum?
Hätte ich es früher erkennen müssen?
Was habe ich übersehen?
Und gleichzeitig denkt man an den Wurf, der kurz zuvor ausgezogen ist – völlig unauffällig, alles in bester Ordnung.
Man liegt nachts wach....Man geht Entscheidungen immer wieder durch.....Man zweifelt – an Abläufen, an Einschätzungen, an sich selbst.
Ich habe funktioniert.
Organisiert. Behandelt. Desinfiziert.
Doch innerlich war ich oft zerrissen zwischen Stärke und Selbstzweifel. Ich musste lernen, dass diese „Warum“-Fragen mich nicht weiterbringen. Dass sie Energie kosten, die ich im Hier und Jetzt brauche. Entscheidend ist nicht, woher es kam.....Entscheidend ist, wie man handelt, wenn es da ist.
Als ich von der Diagnose erfuhr, wurden sämtliche geplanten Ausstellungen – auch für klinisch gesunde Tiere – sofort storniert. Meine Vereinsvorsitzende wurde informiert. Alle Wurfplanungen wurden bis auf Weiteres ausgesetzt.
Denn Verantwortung endet nicht bei der eigenen Belastung. Sie reicht weiter. Diese Phase hat mich körperlich erschöpft – und emotional fast an meine Kraftgrenze gebracht.
Und ja, ich weiß, dass ich Menschen enttäuscht habe. Das tut mir aufrichtig leid. Ich hatte zuvor weder Erfahrung mit Giardien noch mit einer Dermatophytose. Und vielleicht hat mich genau das in manchen Momenten zusätzlich verunsichert.
In dieser Zeit habe ich aber auch erfahren, wie wertvoll Unterstützung ist.
Ich danke von Herzen den Menschen, die für mich da waren. Die mir zugehört haben. Die mich psychisch und emotional getragen haben, wenn die Zweifel laut wurden.
Ein besonderer Dank gilt meiner Tierärztin, Frau Kräker. Und ganz besonders Antje. Sie waren präsent – auch dann, wenn es nicht leicht war...Sie hatten Geduld...Sie hatten Verständnis. Und sie erklärten mir alles – Stück für Stück, immer wieder, wenn ich erneut nachfragte.
Diese Unterstützung war nicht selbstverständlich. Und sie hat mir geholfen, klar zu bleiben, als innerlich vieles unsicher war.
Diese Zeit hat mich nicht gebrochen. Sie hat mir gezeigt, wie viel Verantwortung wirklich bedeutet – und wie viel Stärke in Ehrlichkeit liegt.
Verantwortung zeigt sich nicht in fehlerfreien Zeiten, sondern im aufrechten Umgang mit schwierigen Phasen.
Genau deshalb schreibe ich öffentlich darüber.
Transparenz ist für mich keine Strategie – sie ist eine Haltung. Und sie wird es immer bleiben.
Ich stehe zu meinem Weg.
Und ich gehe ihn weiter.
Auch hier stelle ich eine Kostenaufstellung zur Verfügung.


